Acht Milliarden: Wie Japans erste Premierministerin das Land verändert

Shortcut macht heute eine kleine Pause, denn es ist Reformationstag und damit Feiertag. Von uns gibt's am Montag die nächste Folge. In der Zwischenzeit haben wir aber trotzdem etwas für euch. Und zwar kommt hier jetzt die aktuelle Folge von unserem Spiegel Auslands Podcast 8 Milliarden. Viel Spaß damit. [musik] Hier ist 8 Milliarden der Auspodcast Spiegel. Ich heiße Juan Moreno und wir sprechen über Japan. Immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und eine Nation in der gerade wahnsinnig viel passiert. US-Präsident Donald Trump war ja gerade in der vergangenen Woche in Japan. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist eng und einigermaßen kompliziert, wie man glaube ich sagen kann. Der US-Präsident hat in der Vergangenheit ja die Exportnation Japan sehr sehr nervös gemacht, indem er weitreichende Zölle von bis zu 25% auf japanische Waren angedroht hat und nach langen Verhandlungen konnte dann ein sehr harter Deal aus japanischer Sicht ausgehandelt werden. Am Ende standen 50% Zölle für japanische Waren, die in die USA wollen und ein gigantisches Investitionspaket von über einer halben Billion Dollar, die Japan in die US-Wirtschaft pumpen soll. Damit aber nicht genug. Donald Trump fordert auch, dass Japan massiv aufrüsten soll. Das Land traditionell militärisch eher zurückhaltend, tat sich in der Vergangenheit sichtlich schwer damit. Und das alles vor dem Hintergrund einer neuen politischen Führung in Japan, denn Japan hat eine neue Premierministerin Sane Takaichi, die neue Margaret Thatcher wird sie genannt, eine Frau ganz nach dem Geschmack von Donald Trump, sehr konservativ. Ich spreche heute mit dem Japanerten Wiland Wagner, dess ein grandioses Buch Japan Abstieg in würde ich jede Manns Herz legen. Und meine erste Frage an Viland Wagner war, wie denn das Verhältnis der USA gerade bezeichnen würde, jetzt direkt nach dem allerersten Treffen der neuen Premierministerin Takaichi mit Donald Trump. Das Verhältnis ist momentan sehr ambivalent, weil ganz aktuell ist da eine gewisse Euphorie der Eindruck, dass er Besuch von Trump in Japan bei der neuen Premierministerin ein großer Erfolg war und dass sie eben auch die ihre Sache toll gemacht hat, ein gutes Debüt hingelegt hat, die jüngsten Umfragen und auch die Reaktion auf den sozialen Medien zeigen, dass da eine richtige Begeisterung dafür da ist, dass da eine ist, die sozusagen auf Augenhöhe mit Trump redet und klare Ansagen auch macht und auf internationaler Bühne gut besteht, weil ja eben in Japan, das muss man wissen, ist auch immer ein gewisser Komplex, spielt da eine Rolle bei den Politikern gegenüber den Amerikanern der ehemaligen Besatzungsmacht. Äh viele japanische Premierminister sind ja auch international erscheinen die da ohne großes Charisma eher so als graue Maus. Da hat sie das jetzt geschafft, so wie ihr Lehrmeister, der frühere Premierminister, aber auf der Bühne mitzuspielen mit den Westlern, mit den USA, das macht Eindruck in Japan und ähm das ist die eine der jüngste aktuelle Eindruck. Der andere ist aber seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von Trump fühlt man sich natürlich von den USA gegengelt. Trump says [musik] ein großer Schock für Japan. diese Zölle, die er dem Land aufgedrückt hat, diese demütigende Erfahrung, dass Japan sich bereit erklären musste, 550 Milliarden US-Dollar den USA zu versprechen, sozusagen als eine Art Geschenk, das noch in der Amtszeit von Trump in den USA investiert werden soll und zwar als Bedingung dafür, dass Trump sich dann generös bereit erklärte, diese Zollerhöhung nur auf 15% zu beschränken. Sag mal WLAN, stimmt es, dass es heißt, dass darüber, wie und wo das Geld genau verwendet wird, Trump höchst selbst entscheiden soll und wird? Genau, das ist sozusagen ein Mechanismus, der in Japan im japanischen Fernsehen auch immer so oder in japanischen Medien auch immer dem Volk so dargestellt in einer Pyramide, wo also Vorschläge für Investitionen eingebracht werden und dann geht das immer eine Stufe höher, bis ganz oben dann Trump sitzt, der dann darüber entscheidet, ob das Geld wirklich so eingesetzt wird oder wie es stattdessen eingesetzt wird. Also die schlimmste Befürchtung, die immer wieder geäußert wird, ist eben, dass auch viel Geld ausgegeben werden könnte für Trumps Familienunternehmen z.B., wie das also jetzt plötzlich der Vorschlag kommt, wir lassen uns doch jetzt mal in eines dieser Kryptowährung äh von Trumps Familie investieren. Da ist immer dieses Zauberwort KI, künstliche Intelligenz als großes Feld für Investitionen aus Japan in den USA, wo man kooperieren könnte, aber gerade da in diesem IT oder KI Bereich, da fallen natürlich auch Kryptowährungen z.B. dahinter oder solche dubiosen Dinge, die wo die Trump Familie aktiv ist. Also, das sind die Befürchtungen und letztlich entscheidet darüber Trump. Japan hat zwar ein Widerspruchsrecht dann theoretisch auf dem Papier, aber wenn die sich nicht einigen und wenn dann Trump sagt, ja, ihr erfüllt die Bedingung nicht, ihr zahlt nicht, dann kann er auch jederzeit wieder die Zölle erhöhen. Von daher ist es natürlich die große Befürchtung und bislang ist im Grunde kein kein Deal ganz konkret jetzt beschlossen. Du hast das neue Gesicht der japanischen Politik angesprochen, sah nahe. Takaichi, die erste Frau, die in Japan in diese Führungsrolle kommt. Was ist das für eine Politikerin? Was ist das für ein Mensch? Wie muss ich mir die vorstellen? Kai ist 64 Jahre alt und sie ist eine sehr konservative, man könnte fast sagen, Reaktionäre Politikerin. Jedenfalls gibt sie sich als so eine Politikerin. Ihre Klientel ist so und sie gründet ihre Macht in der regierenden liberaldemokratischen Partei, die ja auch eine sehr konservative Partei ist. Diese Macht gründet sie auf eine sehr konservative Klientel. Also sie geht z.B. die regelmäßig zum Jaskuni schreien in Tokyo. Das ist eine kriegerische Wallfahrtstätte, an der auch die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkrieges, die von den amerikanischen Siegern 1948 hingerichtet wurden. Also diese Leute werden dort auch verehrt als shintuistische Heilige und Haka verbremt diese japanische Kriegsgeschichte. Sie sagt z.B. Die Hauptkriegsverbrecher, die dorthinichtet sein, sein eben durch ihre Exkursion jetzt der Schuld enthoben und von daher gebe es auch keinen Grund mehr sich daun zu distanzieren. Das sind solche Positionen, also sehr rechte Positionen oder man könnte sie auch als Wahlverwandte von Präsident Trump bezeichnen. Jetzt im innerparteilichen Wahlkampf der LDP hat sie sich auch ausländerfeindlicher und migrantenfeindlicher Rhetorik bedient und zwar durchaus mit unbewiesenen Behauptungen. Also, ich gebe mal ein Beispiel, sie kommt aus Nada, das ist eine frühere Kaiserstadt in Westjapan und dort gibt es einen großen Park, wo Hirsche oder Rehe frei herumlaufen. Das sind sozusagen heilige Tiere auch aus dem Shinto glauben. Und da gab es schon seit einiger Zeit in den japanischen sozialen Medien unbewiesene Behauptung, dass ausländische Touristen, vor allen aus China, diese Hirsche oder Rehe mit Füßen treten würden. Und das hat dann Takaichi aufgegriffen in diesem innerparteilichen Wahlkampf und gesagt, das geht gar nicht. Und dann kam auch andere Äußerung und sie hat jetzt auch bei ihrer Regierungsbildung eine Ministerin damit beauftragt. jetzt neue Regeln zu schaffen, damit eben Unregelmäßigkeiten, angebliche Unregelmäßigkeiten oder Gesetzesverstöße von Ausländern in Japan besonders streng geahndet würden. Das ist also durchaus auch eine Parallele zu Trump. Wenn man jetzt von außen da drauf schaut auf das Land, denkt man sich: "Ja, toll, eine Frau, das könnte ja eventuell gerade was die Rolle der Frau in Japan, da wurde ja viel in der Vergangenheit ja auch berichtet und teilweise auch kritisch berichtet, könnte das eine Veränderung geben, also in in Anführungszeichen kulturellen Fragen in Frauenrechten, in Minderheitenrechten und so weiter. Ist da eine Veränderung zu erwarten mit jetzt einer neuen starken Frau an der Spitze? Also, es gibt natürlich jetzt insofern eine Veränderung und die muss man auch anerkennen, dass wirklich zum ersten Mal in Japan eine Frau Premierministerin geworden ist. Und das muss man auch ganz unabhängig davon sehen, wo sie jetzt politisch steht, wie sie denkt. Allein diese Tatsache gibt natürlich auch vielen Frauen in Japan erstmal Mut. Da gibt es durchaus auch positive Äußerung. Aber ob das jetzt sich positiv für die Frauen im Alltag auswirkt, das muss man bezweifeln. wenn es um praktische Dinge geht. Also, es wird in Japan seit Jahrzehnten darüber diskutiert, Frauen das gesetzliche Recht zu geben nach der Heirat ihre Mädchennamen weiterzuführen. Und da hat der Kit immer eine sehr ambivalente Position eingenommen und das im Grunde nicht unterstützt, de facto sich dagegen gewandt, dass es ein Beispiel oder ein anderes ist. Sie ist also ganz stark dafür, die männliche Linie beim Kaiserhaus, also die männliche Linie weiter fortzusetzen. Und wir wissen ja alle, dass das japanische Kaiserhaus auch wirklich vom Aussterben bedroht ist und deshalb gibt es die Forderung auch Frauen auf den Thron zu lassen und die weibliche Thronfolge einzuführen. Und da ist sie ganz strick dagegen, dass wir sie unbedingt verhindern. Also um in dieser japanischen Regierungspartei, also die seit 1955 was ununterbrochen regiert, um dort reussieren zu können als Frau, muss man sich eben auch besonders machft verhalten und dafür ist Tak eigentlich ein Paradebeispiel. Wie lang denkt sie das wirklich oder muss man das als Frau denken, wenn man in so einem stockkonservativen Laden wie der LDP in Japan überhaupt eine Chance auf den Premierposten haben will? Also, ich bin mir nicht ganz sicher, inwi weit sie diese Position selbst wirklich teilt oder inwi weit sie im Laufe ihrer Karriere es dann als Überlebensstrategie oder als Aufstiegsstrategie gesehen hat, dass sie so nur vorankommt. Sie war z.B. nicht immer so. Sie hat eine durchaus schillernde Vergangenheit auch in der mir in frühsten Anfängen. Also, sie war z.B. wie auch als junge Frau hat sie in einer Heavy Metal Band mitgespielt und ist mit dem Motorrad durchs Land gebraust oder sie war z.B. Mitarbeiterin oder Hospitantin abgeordneten Büro, einer demokratischen Abgeordneten, ich glaube sie hieß Patricia Schröder in Washington. Zumindest zu der Zeit war sie noch nicht so stockkonservativ oder gab sich noch nicht so stockkonservativ wie jetzt. Aber jetzt ist natürlich ganz klar, die Position, die sie vertritt, die liegen ganz auf der Linie ihres politischen Mentors des 2022 ermordeten ehemaligen Premierministers Shinzo Abbe und ähm sie sind sehr nah an dieser Mager Agenda von Präsident Trump. auch wieand. Es ist ja nicht von der Hand zu weißen, dass Donald Trump durch seine Politik es geschafft hat, dass Europa massiv aufrüsten muss. Das ist wahrscheinlich oder ganz sicher nicht der alleinige Grund, dass das in Europa gerade passiert. Da spielt sicherlich auch ein gewisser Wladimir Putin eine Rolle in Russland. Aber es ist bekannt, dass Trump auch von Japan mehr Aufrüstung fordert. Hat er denn jetzt mit der neuen Premierministerin da das richtige Gegenüber, um das umzusetzen? Also, er hat auf jeden Fall das richtige Gegenüber. Das hätte er aber auch ohne sie gehabt, denn diese Aufrüstungspläne, die wurden schon Ende 2022 von der äh Vorvorgängerregierung in die Wege geleitet. Das ist ganz klar. Das geschah auch unter dem Ukraine Angriff, unter dem Angriff der Ukraine durch Russland, weil man eben gesehen hat, dass in Asien eine ganz ähnliche Situation passieren kann, dass China Taiwan angreift und dann indirekt auch Japan in die Sache mit hineingezogen wird. Und das hat dann in Japan dazu gefühlt, dass man sehr intensiv dann auch die Aufrüstung vorangetrieben hat. Aber Takai ist auf jeden Fall noch entschlossener und sie ist, das muss man auch zugestehen, eine Expertin. Gerade wenn es darum geht, auch die Lieferketten und auch sonst die innere Sicherheit äh gegen Russland, gegen China und gegen Nordkorea äh zu stärken, wenn es um hybride Angriffe geht oder auch wenn es z.B. um Dinge geht wie den Schutz der Versorgung der heimischen Industrie mit seltenen Erden. Also, da hat Japan ja auch durchaus wichtige Erfahrung gemacht, schon im Jahr 2010, als die Chinesen damals mit Japan schon mal um eine Gruppe von unbewohnten Felseninseln zwischen Japan und Taiwan gestritten haben mit China. Und da hat damals schon China Japan mit Sanktionen bei seltenen Erden belegt, so dass Japan in die Situation kam, sich Gedanken zu machen, wie es eine selbständigere Wirtschaftspolitik organisiert. Und da haben die Japaner nicht nur geguckt, dass sie in anderen Ländern, z.B. in Australien, sich äh stärker versorgen mit seltenen Erden, sondern sie haben eben auch neue Technologien entwickelt und gefördert auch von staatlicher Seite, wie man z.B. besser seltene Erden recyclet. in Produkten oder auch wie man neue Produktionsmöglichkeiten, also Methoden entwickelt, um eben effizienter selten Erden verarbeiten zu können. Auch in der vorvorletzten Regierung hatte auch Takici als jetzige Premierministerin das Portfolio als Ministerin für die Sicherung der Lieferketten und auch für wirtschaftliche Sicherheit sozusagen. Also, das ist ein Thema, da ist sie wirklich zu Hause und da ist sie wirklich momentan auch die geeignete Person, um dort kompetent Entscheidung zu treffen, was das betrifft. Du hast angedeutet, dass es zwar Freundlichkeiten gibt zwischen den USA und Japan, aber ein gewisses latentes Misstrauen ebenfalls existiert. Ähm, man vergisst ja gerne, die Amerikaner waren Besatzungsmacht in Japan. Trotzdem hat der Ex-Premier AB ja durchaus die Nähe zu Trump gesucht und die beiden kamen gut miteinander klar und interessanterweise auch die Nähe zu China, also gewissermaßen zum ausgesprochenen Gegner von Donald Trump. Wie muss ich mir dieses Verhältnis vorstellen und wie wird das jetzt die neue Premierministerin machen? Also der frühere Premierminister Abe hat schon immer die Linie vertreten, dass Japan sich nicht nur auf die USA verlassen muss, sondern auch in Asien einen guten Draht zu China pflegen muss. Das hat das schon in seiner ersten Amtszeit gemacht, äh um 2007 und dann auch in seiner zweiten Amtszeit und hat dann 2018 ist er auch nach China gereist und hat dort den Schisimping getroffen und bis zum Schluss hat er sich darum bemüht, dass der chinesische Staats und Parteichef nach Japan kommt zu einem Staatsbesuch. Das ist dann gescheitert an der Corona Epidemie. Aber klar war natürlich parallel zu dieser ja oft auch nach außen hin der gerade zu demütigend wirkenden Schmeichelei abs gegenüber Trump war ihm immer klar, dass Japan sich absichern muss und auch ein wirklich gute Beziehung auch eine wirtschaftliche Beziehung zu seinem direkten unmittelbaren Nachbarn haben muss, den großen wichtigen Markt hat, wo die Japaner also seit ewigen Zeiten investiert sind und äh oder zumindest immer auch ein Auge drauf geworfen haben. Das ist ja auch mit ein Grund für den Zweiten Weltkrieg und für viele andere Konflikte auch gewesen, dass Japan immer ein großes strategisches und wirtschaftliches Interesse am asiatischen Festland gehabt hat. Und da ist grundsätzlich auch immer für Japan die Frage, wie kann man diese Balance halten, auf der einen Seite sich in dieser US-japanischen Allianz so verhalten, dass die USA nicht verärgert sind, weil das ist kein Verhältnis auf Augenhöhe. Das ist wirklich ein Verhältnis zwischen einer früheren Besatzungsmacht immer noch und zwar sehr viel stärker, als es bei zwischen Deutschland und den USA der Fall ist. Es ist wirklich ein hierarchisches Verhältnis und die USA führen sich auch in Tokio teilweise auch für die Kolonialherren. Also da muss Japan wirklich da gehen japanische Regierungspolitiker ein sehr ein wandern auf einem sehr schmalen Grad, aber klar ist, dass sie immer versuchen, auch wenn sie das offen offiziell nicht sagen, mit China irgendwie zurechtzukommen. Bilan, du hast jetzt mehrmals AB angesprochen, den ehemaligen Premier, der ja im Sommer 2022 ermordet wurde. Ein Attentäter wurde gefasst und steht nun vor Gericht. Und je mehr man über die Hintergründe erfährt dieser Tat, desto skoriler wirkt das alles. Da ist die Rede von einer Sekte, die systematisch ihre Sektenmitglieder ausgenommen hat und in den Ruinen getrieben hat, dass es AB war der Premier, der recht gute Kontakte zu dieser Sekte hatte. Was genau wird da gerade vor Gericht verhandelt in Nahra in Japan? Da wird eben ein Attentat verhandelt, was aus Sicht der Staatsanwaltschaft eine rein kriminelle Tat ist, dass hier eben der Mörder von Abe, den Premierminister umgebracht hat, sehr gezielt, sehr geplant über Jahre aus persönlichen Beweggründen, über die können wir noch sprechen. und aus Sicht der Anwälte des mutmaßlichen Attentäters, aber wobei man eben auch sagen muss, er hat die Tat ja auch gestanden, also des Attentäters aus Sicht der Anwälte gibt's da eine ganz andere Sache der Medaille, die unbedingt erörtert werden muss, eben die persönlichen Hintergründe und Beweggründe des Attentäters, eben seine Herkunft aus einer dubiosen Sekte der Südkoreanischen Vereinigungskirche welche, die im weltweit vor allem bekannt ist durch ihre Massenhochzeiten. Und mit dieser Sekte war der frühere Premierminister aber persönlich stark verbandelt und politisch. Dieser Hintergrund sollte aus Sicht der Anwälte, aber auch aus Sicht vieler Opfer dieser Sekte in Japan unbedingt natürlich behandelt werden. Das ist eigentlich für viele das wirkliche Thema. Während die Staatsanwaltschaft aber das Ganze eben eingrenzen will. auf eine rein kriminelle Angelegenheit auf diese äh Strafbestände. Das ist also auf der einen Seite einmal dieses äh der Mord an sich und dann das andere ist ein Verstoß gegen Waffengesetze, weil der Täter ja mit einer selbstgebastelten Waffe den Premierminister erschossen hat. Dann lass uns, du hast es ja angesprochen, da lass uns doch mal über diese vermeintlichen Motive sprechen, weil offenbar, und das hat mich tatsächlich überrascht, gibt es durchaus Sympathien in der japanischen Gesellschaft für diesen Attentäter, was ja einen total überraschend mag, wenn man sich vorstellt, der Mann hat den Premier erschossen. Wenn man das Ganze jetzt mal ohne den Mord an sich denkt, dann ist das eine herzzerreißende Lebensgeschichte des Attentäters. Er wuchs auf in einer Familie, in der sich der Vater das Leben genommen hat, als dieser Attentäter 4 Jahre alt war. Sein ältester Bruder litt unter einer schweren Krankheit und verlor einmittig das Augenlicht. Aus Verzweiflung über diese Situation hat dann seine Mutter praktisch das gesamte Vermögen der Familie an diese Vereinigungskirche gespendet und ähm die Familie praktisch ins Unglück getrieben. Also, es gab dann nicht mehr genug Geld für die Kinder sich vernünftig ausbilden zu lassen. Und man muss wissen, in Japan kostet es viel, wenn man auf eine gute Universität gehen möchte. Der Attentäter hat sich dann mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Immerhin hat das zum Marine Soldaten gebracht. Aber aus Verzweiflung über die Situation, in der er sich befand, hat er dann schon 2005 war das, glaube ich, ein Selbstmordversuch unternormen und ist dann anschließend auch aus den Streitkräften ausgeschieden und dann im Grunde konnte er nur noch sich mit Gelegenheitsjobs dann über Wasser halten. Irgendwann später, 2015 hat dann auch sein ältester Bruder, also der so ganz schwer krank war, sich das Leben genommen. Und das einzige, was dem Attentäter dann blieb, war im Grunde sein grenzenloser Hass auf die Sekte. Aber es gab in Japan keine Möglichkeit äh dieses Leid und auch die Wut über diese Sekte, die ja ihren Gläubigen das Geld da abgeknöpft hat, irgendwo hinzutragen. Und das ging nicht nur dem Attentätern so, sondern ganz vielen Menschen in Japan, die auch bei der Justiz kein Gehör fanden. dass das so war, dass es eben, dass diese Sekte sich so ungehemmt verhalten konnte, wird eben auch darauf zurückgeführt, dass sie letztlich gute Verbind politische Verbindung besaß, wenn ich gar den Schutz auch der politischen Verbündeten, also unter anderem Ex-Premier, den Schutz vor Strafverfolgung. Und ähm so war es dann eben bei dem Täter so, dass er nicht mehr aus Verzweiflung nicht wusste, was er machen sollte. Er hat er plante dann zum Schluss die Witwe des Sektengründers Moon, des Koreaners Moon zu ermorden, weil sie nach Japan kommen sollte. Aber dieser Besuch wurde dann wegen der Coronapandemie abgesagt und dann sei nur noch die Möglichkeit Ex-Premier ab stattdessen umzubringen, der eben so enge Beziehung zu der Sekte hatte. Und diese enge en eng Beziehung hat er übrigens auch dann kurz vorher noch gezeigt, weil er war bei einer Veranstaltung der Sekte aufgetreten, hatte dort eine Audiobotschaft äh verlesen und so war er eigentlich dann für den Attentäter das Gesicht, das politische Gesicht der Sekte sozusagen. Das Urteil wird für den Januar nächsten Jahres erwartet und es gibt in Japan durchaus die Höchstrafe und dennoch sagen einige, dass der Attentäter mit einer vermeintlich milderen Strafe davon kommt und das würde eventuell sogar daran liegen, dass es eben genau diese Hintergründe gibt. Ja, also der Attentäter hat mit seiner Tat ganze Sache ins Rollen gebracht, also Untersuchung gegen die Sekte. Noch im selben Jahr 2022 wurde im Parlament ein Gesetz verabschiedet, das stärkere Kontrollen für dubiose Spendenpraktiken von Sekten oder von überhaupt von religiösen Vereinigungen vorsieht. Und dann später wurde auch von der Regierung dann ein Auflösungs eine Anordnung erlassen, die die Auflösung der Sekte vorsieht. Dagegen hat die Sekte der momentan Berufung eingelegt. Das ist also noch ein schwebendes Verfahren, aber immerhin ist durch dieses Attentat eine ganze Menge ins Rollen gekommen und nicht nur das, sondern auch politische Verbindungen von Abe und vielen anderen Vertreten und Vertretern und sehr prominenten Politikern der Regierungspartei, so dass dann eben es auch zu einer Art Machtwechsel in Japan kam. Also viele Vertraute von aber verloren Einfluss und Macht in der Partei. Sein Flügel in der Partei hat sich dann praktisch auflösen müssen, auch wegen dieser Enthüllung. Es kam dann auch mehrere Vertreter der sogenannten zweiten Generation der Sekte, also von jungen Sekten im Alter oder in in der ähnlichen Situation wie der Attentäter und mit einer ähnlichen Leidensgeschichte kam dann an die Öffentlichkeit und haben sich sozusagen geautet und haben von ihren Leidensgeschichten erzählt. Und das hat im Land sehr viel Sympathien geweckt und auch immer wieder die Frage aufgeworfen, wie konnte unser Staat so versagen? Warum war das möglich? Warum hat kein hat der Staat und die Regierung und die Behörden warum haben die zugesehen, wie hunderte von jungen Menschen, die sozusagen von ihren Eltern in diese Sekte hineingeboren wurden, wie die jahrzehntelang so darunter leiden mussten und sozusagen wie kleine Sklaven da in diese Sekte gezwungen wurden. Und das sind auch Familien zerbrochen eben an diesen Spenden. Und es wurden dann herzerreißende weitere Geschichten publik, wo dann auch Leute sich das Leben genommen hatten, weil die Ehefrau sich verschuldet hatte bei der Sekte durch hoh ho zu hohe Spenden und so weiter. Diese Welle des Mitleids hat dann sich auch darin ausgedrückt, dass viele Landsleute Briefe und Bücher und sogar Geld in das Untersuchungsgefängnis an den Attentäter geschickt haben. Und wenn man sich mal diese ganze Stimmung in Japan wieder vergegenwärtigt, dann erscheint es doch sehr zweifelhaft, dass eben die Todesstrafe drohen könnte. Und wenn das, wenn die tote Strafe trotzdem verhängt würde, dann würde das sicherlich die Gesellschaft [musik] sehr viel tiefer spalten, als es ohnehin schon ist. Das war Milliarden auss Podcast der Spiegel und das war WLAN Wagner, absoluter Japanerte, wie wir gerade gehört haben. Ich sage [musik] danke fürs Hören und ich sage danke bei Philip Hackler und Anne Martin für die Unterstützung. 8 Milliarden erscheint wieder in der kommenden Woche und zwar bei spiegel.de de und überall da, wo es Podcasts gibt.

Sie gilt als Symbol eines neuen, nationalkonservativen Japans, das sich militärisch stärker aufstellen und außenpolitisch neu definieren will: Premierministerin Sanae Takaichi. 

Shortcut macht heute eine Pause und erscheint am Montag wieder. Dafür empfehlen wir euch unseren Auslandspodcast »Acht Milliarden«.

In der neuen Folge spricht Host Juan Moreno mit Wieland Wagner, langjähriger SPIEGEL-Korrespondent in Tokio, über den Aufstieg von Sanae Takaichi zur Regierungschefin und Trump-Schmeichlerin.

Außerdem geht es um den Prozess gegen den Attentäter ihres Vorvorgängers Shinzō Abe. Ein politisches Drama zwischen Macht und Vergeltung.

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2 Comments

  1. Herrlich, wie diese Frau Premierministerin Donald Trump wie einen dementen Opa im Kreis laufen ließ. Sie hat ihre Sache wirklich toll gemacht, den Opa zu zeigen wie er ist.