Die heutigen Nachrichten aus Japan: Der 10teilige Kirschblüten-Wirtschaftsplan

Kirschblütenverdreckte Straßen als Wirtschaftsmotor – wie die japanische Regierung künftig die Wirtschaft ankurbeln will

Alle Jahre wieder. Japans Regierung kann ein Lied davon singen. Wie auch schon vor einigen Jahren berichtet, sind die Verschmutzungen durch die herabfallenden Kirschblütenblätter Ende März/Anfang April ein enormes Problem. Sie verstopfen die Abflüsse, Leute rutschen aus – kurz – die Schäden und dadurch entstehende Kosten sind enorm. Durch die aktuelle weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage hat sich das ganze noch zugespitzt. Im Zuge der Budgetverhandlungen für das neue Fiskaljahr, das in Japan am 1. April beginnt (ein Schelm, wer hier Böses denkt) wurden deshalb neue Möglichkeiten zur Kostensenkung und auch für neue wirtschaftliche Chancen Japans ausgelotet.

Es wurde ein schrittweiser 10 Punkteplan vorgestellt:

1. Es werden keine neuen Kirschblütenbäume mehr angepflanzt.

2. Abgestorbene, oder Bäume, die die öffentliche Sicherheit bedrohen (jeder gute Bürger wird aufgerufen, störende Bäume zu melden), werden ab 1. April rigoros gefällt oder ausgegraben.

3. Ein neuer Markt mit dem Namen 桜市 Sakura-ichi (Kirschblütenmarkt), der international funktioniert, wird eingerichtet. Er dient dazu, die störenden Bäume ins Ausland zu verkaufen. Mehrere Gütesiegel mit dem Prädikat „echter japanischer Kirschblütenbaum“, auf Japanisch 正真正銘日本桜(しょうしんしょうめいにほんざくら) Shoushinshoumei-nihonzakura ,sind verfügbar. Apps im Appstore von Android und IOS ab heute zum Download verfügbar.

4. Anstatt Kirschblütenbäumen werden nun Kirschbäume angepflanzt, da diese genau so schön blühen, aber dann auch Kirschen produzieren, mit denen man dann Produkte erzeugen kann, die die japanische Wirtschaft stärken. Experten und Expertinnen aus anderen Ländern wurden schon nach Japan eingeladen.

5. Diese Vorgangsweise soll durch Fördergelder vorangetrieben werden, mit dem Ziel, dass bis 2030 zumindest 50 % der Soumei Yoshino und Yaezakura Bäume durch Kirschbäume ersetzt sind.

6. Zu diesem Zweck gibt es ab diesem Studienjahr an der renommierten Tokyo University – kurz Todai – einen neuen Studienzweig mit dem Namen „Cherry (blossom) economics“ auf Japanisch サクラ/サクランボ経済(けいざい)学(がく). Über 10.000 Leute haben sich bereits angemeldet – nur 50 davon wurden in den prestigeträchtigen Studienzweig aufgenommen. Es wird gemunkelt, dass die Aufnahmeprüfung das blinde Erkennen zwischen Kirschblüten von Kirschblütenbäumen und Kirschblüten von Kirschbäumen sowie das Erkennen der verschiedenen Arten am Geruch inkludierte.

7. Das neue Emblem der Kaiserfamilie wird nun zwei rote Kirschen auf weißem Hintergrund sein. Der Kaiser hat diese Erneuerung mit den Worten „Cherries will make Japan great again“ für gut geheißen.

8. Die runtergefallenen Kirschblüten sollen aufgesammelt werden, indem unter die Bäume Netze gehängt werden. Aus den Blütenblättern soll Kirschblütenöl gepresst werden, das wiederum als Ersatz für Benzin und anderen Treibstoff verwendet wird.

9. Um Ergebnisse dafür voranzutreiben, unterstützt die Regierung Unternehmen, die in die Forschung für Kirschblütenverwendungsmöglichkeiten investieren. So sei man auch unabhängiger von anderen Ländern und könne sich wieder einfacher von der Außenwelt abschließen.
Toyota arbeitet bereits an neuen Motoren, die mit Kirschblütenöl laufen sollen. Mitsubishi Schwerindustrie hat 20 % seiner Forschungsgelder in Projekte gesteckt, um weitere Verwendungsmöglichkeiten für das Kirschblütenöl und andere Teile der Kirsch(blüten)bäume zu finden.

10. Und zu guter Letzt: Die お花見 Ohanami-(Kirschblütenanschauen) Trinkgelage werden zu Kirschblütensammel-Events. Je Kilo gesammelter Kirschblütenblätter gibt es eine Flasche 純米酒 Junmaishu – Sake gebraut ohne zugesetzten Alkohol oder Zucker. Ausländische Teilnehmer bekommen drei Tage kostenlosen Japanischunterricht – Link dazu im Kommentar.

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